Existenz wurde in einem vorangehenden Post als einzige Objektive Wahrheit definiert. Um Existenz nun für sich zu betrachten, fassen wir zusammen, was bisher grundsätzlich festgestellt wurde:
Das interaktive Multiversum ist im Sinne der Interaktionstheorie alles, was existiert. Existenz wird dabei bedingt durch Interaktion. Ohne Beobachter ist nichts zu beobachten. Ich betone an dieser Stelle erneut, dass mit dem „Beobachter“ nicht das menschliche Auge rein menschliches Bewusstsein oder ein durch ihn kalibriertes Messinstrument gemeint ist: Ohne Sender kein Empfänger, ohne Immanenz keine Transzendenz. Jegliche Form von Interaktivität kann nur vice versa erfolgen.
Das gilt für alle Entitäten: Objekte im Raum, der gravitativen Wechselwirkung unterworfen. Subatomare Teilchen. Menschen in einem sozialen Gefüge. Ideen, die adaptiert, erfahren, abgelehnt oder anerkannt werden – von jemandem oder etwas.
Ohne dieses wie jenes keine Interaktion. Nichts kann mit Nichts interagieren. Das Seiende wird durch Interaktion erkannt, beobachtet, in Existenz gebracht in der subjektiven Realität. Es wird, es ist – durch Interaktion.
Existenz am Beispiel Doppelspaltexperiment
Eine spannende Folgerung daraus ergibt sich für die Erklärung des Doppelspaltexperiments. Wir fragen uns seit Jahrzehnten, wie es bei diesem berühmten Experiment zum Phänomen des Zusammenbruchs der Welle durch Beobachtung kommen kann. Viele Beschreibungen beinhalten die Frage, wie die Teilchen, beziehungsweise die Welle wissen kann/können, ob ein Mensch zusieht, oder nicht. Unter Betrachtung der Interaktionstheorie könnte diese Frage wohl so beantwortet werden: Dass der Zusammenbruch der Welle durch Beobachtung bei diesem Experiment im menschlichen Kontinuum beobachtet wird, bedeutet nicht, dass diese eben nur durch menschliche Beobachtung generell zusammenbricht. Sie bedeutet lediglich, dass die Welle eben in der intersubjektiven Menschheits-Realität bei diesem Experiment zusammenbricht. Wir haben, wie Nagel bereits in den 1970ern beschrieben hat (dazu später mehr), keine Möglichkeit, in der Realität außerhalb des menschlichen Kontinuums zu überprüfen, ob selbiges in jeder Realität gilt. Es erscheint auch schwer vorstellbar, wie Entitäten gänzlich andere als die menschlichen, ein solches Experiment durchführen könnten – der überwiegenden Mehrheit fehlt es sowohl an Sinnesorganen zur entsprechenden Beobachtung, noch an entsprechendem Intellekt, um überhaupt über Quanteneffekte nachzudenken. Gar nicht zu sprechen vom Willen, dies überhaupt zu tun. Doch zurück zur Theorie:
Durch Interaktion findet „Beobachtung“, findet ein Austausch statt, fällt etwas „ins Gewicht“, erlangt alles Bedeutung, erhält eine Relation und wird somit eben existent.
Die Summe alles Vorhandenen, alles Interagierenden, entspricht der Existenz an sich und:
Existenz ist real, denn wir interagieren.
Bewusstsein und Interaktion
Wahrgenommene Interaktion bezeichnet die Interaktionstheorie als Bewusstsein. Bewusstsein ist der Interaktionsprozess zwischen immanenter und transzendenter Existenz. Bewusstsein ist erlebte, wahrgenommene Identität. Mit Bewusstsein wurde hierbei ein Wort gewählt, dass bislang zumeist dem Menschen zugeordnet wurde. Dieser Theorie nach kann je nach Definition allerdings jede Art von Interaktionsprozess als solches interpretiert werden. Es ist absurd, zu diskutieren, ob Bewusstsein auch auf andere Entitäten zutrifft, falls man zuvor nicht klar definiert hat, was dieser Begriff zu bedeuten hat. Ist mit Bewusstsein menschliches Bewusstsein, also der Interaktionsprozess menschlicher Entitäten gemeint, oder der Interaktionsprozess aller Entitäten? Entscheidet man sich für Zweiteres, so ergäbe sich eine Realität des Panpsychismus. Wir wollen diese für die weiteren Gedanken dieses Kapitels wahrnehmen. Selbstverständlich ist allerdings Bewusstsein im Sinne der Interaktionstheorie nicht austauschbar – ein Stein hätte kein menschliches Bewusstsein, nur weil wir ihn nach dieser alternativen Wortdefinition als bewusst klassifizieren. Es handelte sich um eine jeweils unterschiedliche Facette der Bewusstseins-Entität, welche wie bereits festgestellt wurde, wie jede andere Entität multidimensional variabel ist – ein Spektrum des Bewusstseins. Ebenso wie Existenz jede erdenkliche Facette hat, so gilt dies für das Bewusstsein. Bewusstsein ist individuell für jede Identität, da jede Id-Entität ein einzigartiges Interaktionsverhältnis aufweist.
Identität: Jedes denkbare Verhältnis von Immanenz und Transzendenz
Da die Interaktionstheorie Identität als Verhältnis von Immanenz und Transzendenz definiert, ist/hat buchstäblich jedes denkbare Verhältnis eine Identität. Ebenso differenziert sie eine in welcher Form auch immer interagierte Wirklichkeit, ein „Universum“, eine Realität im interaktiven Multiversum. Weshalb Universum mit „“ versehen ist? Nun, die Menschheit ist sich zumindest im wissenschaftlichen Konsens von 1900 bis 2025 weitgehend darin einig gewesen, was das Universum ist: Das alles umfassende Weltall. Während die Multiversum-Interpretation der Wirklichkeit langsam vermehrte Verbreitung findet, ist damit also weitgehend jene Realität gemeint gewesen, welche sich der Menschheit offenbart. Und selbst unter Miteinbezug der möglichen Existenz des Multiversums hat der Gedanke weitläufig Verbreitung gefunden, dass es sich bei diesem Universum eben um unsere, in gewisser Weise statische, gewissen Naturkonstanten unterworfene Welt handelt, während andere Parallelwelten existieren könnten. Diese Auffassung und Interpretation unserer geteilten Wirklichkeit zwar als valide anzuerkennen, jedoch auf Basis ihrer Schlussfolgerungen zu flexibilisieren, ist wichtiger Gegenstand dieses Buches. Diese stellt wie bereits beschrieben fest, dass jede Entität eine individuelle Wirklichkeit interaktiv prozessiert, woraus sich sich das interaktive Multiversum ergibt. Dieses wiederum besteht aus sämtlichen dieser Realitäten, die per Definitionem miteinander in Wechselwirkung bestehen und einander bedingen.
Multidimensionale Variabilität und Metaentitäten
Weiters ergibt sich aus der Interaktionstheorie, dass die multidimensionale Variabilität der Entitäten Metaentitäten zulässt, welche gewissermaßen geteilte Wirklichkeiten wahrnehmen. Dies bedeutet, dass beispielsweise ein „Universum“ nach traditioneller Sichtweise eben jene Erklärung der Wirklichkeit ist, welche die Menschen miteinander über diese Entität teilen. Es handelt sich um das „Universum“ einer Metaentität, welche sich aus den Realitäten aller sie bildenden Entitäten ergibt, also jedes Menschen, die diese differenziert. Letztlich handelt es sich hierbei, wenn du nun darüber nachdenkst, um deine subjektive Interpretation einer abstrakten, dynamischen Entität, oder ein Konzept deren Identität sich unter anderem aus den Interaktionsverhältnissen zumindest jedes menschlichen Individuums zusammensetzt. Was wir damit jedoch meinen, interagiert selbstverständlich auch mit allen anderen sie enthaltenen Entitäten, was die Menschliche Meta-Interaktion – und damit auch Interpretation eine von vielen sein lässt, welche die Existenz des Multiversums gestalten und bewirken.
Jede wahrgenommene Wirklichkeit
An dieser Stelle ist zu verdeutlichen: Im Sinne der Interaktionstheorie entspricht jede wahrgenommene Wirklichkeit einem Interaktionsverhältnis. Jeder Aspekt deiner transzendenten Wirklichkeit, den du als Entität differenzierst, entspricht also zugleich und allein durch diese Handlung deiner Differenzierung, einer Identität die jeweils ein subjektives Universum wahrnimmt.
Alles steht zueinander in Wechselwirkung, steht also unter gegenseitiger „Beobachtung“, unter gegenseitiger Bewusstmachung. Alles, was existiert, interagiert. Die Theorie der Interaktion setzt also die Begriffe Bewusstsein und Interaktion als untrennbare Eigenschaft der Existenz im Wesentlichen gleich. Alles, was existiert, interagiert. Vielmehr noch:
Interaktion bedingt Existenz. Bewusstsein und Wirklichkeit sind untrennbar verbunden. Bewusstsein ist die subjektive Wirklichkeit der identativen Existenz. Bewusstsein steht damit gleichbedeutend mit dem individuellen Universum, welches sich durch Interaktion von Immanenz mit Transzendenz offenbart.
Was keine Information abgeben kann, kann nicht existieren, was keine Information aufnehmen kann, existiert ebenfalls nicht – Dies sind Grundprinzipien der Wirklichkeit.
Interaktion ist Nachweis und Erschafferin der Existenz. Der Interaktionsprozess deiner Identität, zusammengesetzt aus Immanenz und Transzendenz, deinem Innerem (was du als selbst definierst) und Äußeren (alles andere), entspricht deinem Bewusstsein.
Existenz erkennt eine Facette ihrer selbst als Identität.