Dust Theory – Staubtheorie aus Permutation City

Die Staubtheorie, im Originalsn „Dust Theory“, ist eine Multiversum-Theorie aus dem Permutation city Science Fiction-Roman von Gred Egan. Sie verbindet gleich mehrere Multiversum-Hypothesen.

Einige der Theorien über den Aufbau der Realität sind eng miteinander verwoben. Das ist auch bei der spektakulären „Dust Theory“, oder auf deutsch Staubtheorie der Fall. Die Staubtheoprie wurde von Science Fiction-Autor Gred Egan als Basis für seine seinem Roman Permutation City nutzt, der 1994 veröffentlicht wurde. Es handelt sich in gewisser Weise um ein Konzept, dass Teile des Mathematischen Multiversums, mit der Simulationstheorie und dem Boltzmanngehirn verbindet.

Staubtheorie – Bewusstsein als Abfolge von Rechenschritten

Stellen Sie sich Ihr Bewusstsein wie einen Film vor – und Filme sind eine Zusammensetzung aus vielen Standbildern, die in einer bestimmten Reihenfolge abgespielt werden. Laut der Staubtheorie aus Egans Roman ist Bewusstsein ganz ähnlich aufgebaut. Bewusstsein ist demnach jedoch nicht aus Standbildern zusammengesetzt, sondern aus Rechenschritten. Jeder Rechenschritt entspricht einem solchen Standbild. Und jeder Rechenschritt enthält auch die Information der kausalen Verbindung mit dem vorhergehenden Rechenschritt, aus der sich die Erfahrung der Kontinuität ergibt.

Das Radikale an Egans Staubtheorie ist nun, dass diese Rechenschritte spontan im Universum entstehen – ganz ähnlich wie ein Boltzmanngehirn, aus dem Nichts aus Quantenfluktuationen oder zufälligen Zusammensetzungen von Staub. Und was besonders Kontraintuitiv ist: Die Standbilder sind dabei verteilt über das gesamte Universum und bilden sich zufällig, etwa durch spontane Quantenfluktuationen. Bewusstsein ist somit, ganz ähnlich wie Max Tegmarks mathematischen Multiversum, eine logische Verknüpfung von Information. Durch diesen Umstand kann man auch die kontraintuitive Frage auflösen, die sich aus diesem seltsamen Konzept ergibt:

Wie weiß das Bewusstsein, wo genau das nächste Standbild zu finden ist?
Die Antwort lautet, dass die Logik selbst dies zufolge hat:

Stellen Sie sich einen Bewusstseins-Roman vor, als Abfolge solcher Rechenprozesse (im Roman entspricht ein Rechenprozess einer Buchseite). Nun reißt jemand alle Seiten aus diesem Buch und verstreut diese in einem Wald. Die Handlung des Buches bleibt immer dieselbe. Und das ganz unabhängig davon, ob die Buchseiten nun verstreut sind, oder ob sie noch immer gebunden wären. Nach Egans Theorie ist es sogar egal, welche Rechenprozesse wann zuerst spontan aus dem „Staub“ entstanden sind. Es ist nicht notwendig, dass die Entstehung dieselbe kausale Abfolge hat. Ein Buch muss schließlich auch nicht vom Autor von Anfang bis ende durchgehend geschrieben werden, sondern kann auch nichtlinear geschrieben werden.

Staubtheorie in Permutation City

Egan gab auf seiner eigenen Website an, die Staubtheorie persönlich nicht allzu ernst zu nehmen:

„(Die Staubtheorie ist) Nicht wirklich ernst gemeint, obwohl ich noch keine überzeugende Widerlegung auf rein logischer Basis gehört habe. Manche behaupten beispielsweise, eine Abfolge von Zuständen könne nur dann Bewusstsein erfahren, wenn zwischen ihnen ein echter kausaler Zusammenhang bestünde. Der Kern der Staubtheorie besteht jedoch darin, dass Kausalität nichts anderes ist als die Korrelation zwischen Zuständen.

Ich denke jedoch, dass das Universum, in dem wir leben, starke empirische Belege gegen die „reine“ Staubtheorie liefert, da es viel zu geordnet ist und viel einfacheren und homogeneren physikalischen Gesetzen gehorcht, als es nötig wäre, um Beobachter mit einem dauerhaften Bewusstsein ihrer eigenen Existenz zu beherbergen. Würde jede Anordnung des Staubs, die solche Beobachter enthält, realisiert, gäbe es Milliarden Mal mehr Anordnungen, in denen die Beobachter von chaotischen Ereignissen umgeben wären, als solche, in denen einheitliche physikalische Gesetze gelten.“

Bewusstsein als mathematische Struktur

Diese Theorie ist, wenn auch zunächst schwer verdaulich, tatsächlich aber philosophisch äußerst spannend, weil sie mehrere unterschiedliche Konzepte von Multiversen verbindet, die wir weiter oben beschrieben haben. Der Roman wurde übrigens einige Jahr vor Tegmarks Postulat des mathematischen Multiversums veröffentlicht, was umso interessanter ist.

Ein Multiversum also, dass Bewusstsein enthält, welches letztlich nichts anderes ist, als eine mathematische Struktur. Das Multiversum ist so etwas wie ein gigantischer Rechner, auf dem das Softwareprogramm Bewusstsein läuft, eines von wohl sehr vielen Programmen. Und Naturkonstanten sind gemeinsam mit den Formeln, die sie verbinden, das universelle Betriebssystem.

Aus Quantenfluktuationen spontan entstehende Logik

Ein Multiversum ergibt sich aus der mathematischen Grundstruktur des Seins, von der Egan ausgeht – in einem mathematischen Multiversum, wie er es beschreibt, und in dem Bewusstsein ein dezentraler Rechenprozess ist, kann jede denkbare Logik spontan aus Quantenfluktuationen entstehen. Und Tegmarks Theorie hat dies ganz ähnlich postuliert.

Staubtheorie und Transhumanismus

Spannend ist im Zusammenhang mit dieser Staubtheorie auch, dass Bewusstsein letztlich genauso oder zumindest ähnlich erklärbar sein müsste, wenn es uns gelingen sollte, dass wir unser Bewusstsein hochladen – eine weit bearbeitete Idee im Transhumanismus. Gelänge es dem Menschen, vor dem Sterben das Bewusstsein in ein Rechenzentrum hochzuladen, würde sich dann ein kontinuierlicher Prozess für dieses Bewusstsein, für diese Person ergeben? Falls die Dust Theory aus Egans Permutation City stimmt, dann müsste dies grundsätzlich möglich sein.

Gred Egan – Mathematiker und Science Fiction Autor

Der Australische Mathematiker und Autor hat mit der Staubtheorie ein spannendes Beispiel dafür geliefert, wie Kunst auf die Wissenschaft wirken kann. Sein Konzept, das spontan aus Quantenfluktuationen entstehende Logik postuliert, wurde erst einige Jahre später in ähnlicher Weise etwa von max Tegmark und seinem Mathematischen Multiversum beschrieben. Der 1961 in Parth geborene Schriftsteller wurde sowohl in der Literatur, als auch in der Mathematik mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Auf seiner Website erlaubt Egan tiefere Einblicke in seine Gedanken rund um die Staubtheorie, und verwiese unter anderem auch auf das Essay „Simulation, Consciousness, Existence“ von Hans Moravec, welches ähnliche Gedanken ausarbeitet.