Nach dem Modell der retrokausalen Zeitschleife existiert tatsächlich nicht unbedingt ein Multiversum. Es ist jedoch dennoch derart spannend, dass es hier erwähnt werden muss. Während Stephen Hawking die Existenz des Urknalls als Ursprung der Zeit negierte, so wird dieser anderswo gar als ontologisches Paradoxon bezeichnet.
Ein Konzept der retrokausalen Zierschleife wurde etwa von J. Richard Gott III, Li-Xin Li beschrieben. Auch der in Sachen Multiversum Theorien äußerst umtriebigen John Archibald Wheeler, hat als eines einer zahlreichen Konzepte ein Multiversum in Form eines retrokausalen Ouroburos angedacht – der metaphysischen Schlage, die sich selbst in den Schwanz beißt.
Eine Welt, die aus sich selbst entsteht
Die Kernidee dieses sich selbst erschaffenden Universums ist, dass deren Zeitstrahl nicht linear ist. Diese sollte eigentlich beim Urknall beginnen und irgendwann in der Zukunft enden. Bei der retrokausalen Zeitschleife allerdings ist dieser zeitstrahl einer geschlossenen Geometrie unterworfen.
In diesem auch als Bootstrap-Paradoxon bezeichneten Zeitschlefe, einem „Baron Münchausen der Kosmologie“, hat sich das Universum selbst in der Zukunft erschaffen, indem es zu Bedingungen führt, die seine eigene Entstehung ermöglicht hat.
Darstellbar wird dies durch sogenannte geschlossene zeitartige Kurven: Die Raumzeit krümmt sich derart stark, dass sie in ihre eigene Vergangenheit zurückkehrt.
Inspiriert wurde diese retrokausale Zeitschleife von Wheelers in den 1970er Jahren entstandenem Participatory Anthropic Principle (PAP), nach dem das Universum in der Zukunft seinen eigenen Urknall beobachtet. Und diese ist tatsächlich auch genau das, was durch den Menschen gerade passiert – er beobachtet den Urknall.
Dieses sich selbst erschaffende Universum wurde physikalisch erstmals 1998 von J. Richard Gott und Li-Xin Li im Paper „Can the Universe Create Itself?“ in der Fachzeitschrift Physical Review D formuliert.
Retrokausale Zeitschleife und Hawkings Paradoxa
Generell hat es diese Theorie jedoch nicht leicht: Und das obwohl sie ein durchaus legitimer Vorschlag der Beschreibung der „Entstehung“ des Universums darstellt, basierend auf den einsteinschen Feldgleichungen. Noch dazu umgeht sie das Problem der ersten Ursache ohne der Notwendigkeit eines Gottes elegant. Ein solches Konzept führt nämlich zu gewissen Paradoxa, wie beispielsweise Stephen Hawking zu bedenken gab.
Er folgerte mit seinem „Chronology Protection Conjecture“ außerdem, dass die Natur aufgrund gewisser Quanteneffekte solche Zeitschleifen verbietet, wodurch diese Paradoxa also tatsächlich niemals entstehen könnten.
Schwer falsifiszierbar
Und selbst, wenn Hawking sich irren würde, so wäre ein solches Münchausen-Universum nur äußerst schwer falsifizierbar. Dies liegt an grundsätzlichen physikalischen Grenzen ebenso wie and den logischen Eigenschaften der Theorie selbst:
Vor allem die Tatsache, dass unser Universum kurz nach dem Urknall eine Phase enorm schneller Ausdehnung erfahren hat, macht den Nachweis fast unmöglich. Denn durch diese inflationäre Phase sind alle Informationen darüber, was davor geschah, so weit „verdünnt“, wie wir an der sehr uniformen kosmischen Hintergrundstrahlung sehen. So wird kaum jemals zu erfahren sein, was davor genau für Strukturen bestanden haben.
Noch dazu haben wir durch die Kosmische Hintergrundstrahlung einen Ereignishorizont, durch den wir hindurchblicken müssten, was aktuell zumindest unmöglich ist. Nur wenn dies gelänge, wäre ersichtlich, ob wir die Zukunft unseres eigenen Universums hinter diesem Kosmischen Vorhang wiederfinden würden.
Möglicher Beweis durch spezifische Signatur von Gravitationswellen
Der einzig heute bekannte mögliche Hinweis, der zur Bestätigung eines solchen Ouroboros Universums führen würde, wäre eine spezifische Signatur von Gravitationswellen, die man irgendwann aus den Daten der Frühzeit unseres Universums vielleicht wird herauslesen können. Solche würden auf eben diese nicht-lineare Geometrie des Universums hindeuten. Wir wissen jedoch aktuell weder, wie eine solche Signatur aussehen müsste, noch wie diese zu messen wäre.