Vorgeschlagen von: G. F. R. Ellis und G. B. Brundrit, 1979, benannt von Brian Greene, 2011
Wichtigste Unterstützer: Brian Greene, Max Tegmark, Alan Guth, Andrei Linde, Alexander Vilenkin
Status: unbewiesen, jedoch durchaus verbreitet
Nicht nur die kontraintuitive Welt der Quantenmechanik bringt Hypothesen hervor, welche die Esistenz von Parallelwelten suggerieren. Selbst das traditionelle Weltbild unseres makrokosmischen Universums resultiert mitunter in ähnlichen Ideen: Auch das „klassische“ Universum aus unseren alten Schulbüchern soll tatsächlich ein Multiversum darstellen – und das aus mathematischer Notwendigkeit.
Das kosmologische Patchwork Multiversum
Modernen Berechnungen zufolge hat das Universum eine Ausdehnung von 46,5 Milliarden Lichtjahren. Das ist also jene Ausbreitung, die das Universum nach Berechnungen des Alters des Universums erreichen konnte – wenn wir von einem Urknall ausgehen, der vor ungefähr 13,7 Milliarden Jahren stattgefunden hat. Die Größe des gesamten Universums ist jedoch tatsächlich bis heute nbekannt. Grund dafür ist eine Sehschwäche. Diese rührt jedoch nicht von unseren müden Augen here oder von zu schwachen Teleskopen. Es liegt tatsächlich an der sehr schnellen aber kosmologisch äußerst limitierenden Lichtgeschwindigkeit.
Der Vorhang der Lichtgeschwindigkeit
Wegen diesen 300.000 Kilometern pro Sekunde, der Lichtgeschwindigkeit, können wir tatsächlich nicht weit genug sehen, um die gesamte Größe unseres „Universums“ zu erfassen. Grund dafür ist, dass diese Lichtgeschwindigkeit in nunmehr 13,7 Milliarden Jahren ganz einfach nicht genug Zeit für ihre Ausbreitung hatte. Was sich hinter diesem Horizont der Lichtgeschwindigkeit verbirgt ist zwar im Grunde unklar. Nach neuesten Erkenntnissen ist unser Universum allerdings flach, hat also kaum eine Krümmung. Falls es tatsächlich absolut flach ist, würde diese bedeuten, dass der Weltraum unendlich ist.
Und eben dies würde bedeuten, dass wir derart viel Raum im Universum haben, dass wir rein statistisch gesehen irgendwann auf eine zweite Erde treffen müssten – aus purer mathematischer Notwendigkeit.
Vielleicht ist diese eine Erde, in der Sie selbst sich wiederfinden, eine perfekte Kopie, nur mit einem kleinen Detail, das anders ist. Und je weiter in der Unendlichkeit wir gehen, umso häufiger würde sich unsere Erde wiederholen, ganz bis wir erkennen, dass es gar unendliche Kopien unserer Erde, unseres Sonnensystems, und unserer selbst gäbe. Und zugleich uns selbst in allen erdenklichen Varianten, und auch alles andere in allen denkbaren Varianten.
Willkommen im Patchwork-Multiversum!

Rezeption Patchwork-Multiversum
Der eigentliche Namensgeber des Patchwork Multiversums war Brian Greene, der den Vorschlag von G. F. R. Ellis und G. B. Brundrit seinem Buch The Hidden Reality: Parallel Universes and the Deep Laws of the Cosmos, ausführlich behandelt hat: „Zu jedem Zeitpunkt enthält die Ausdehnung des Raums eine unendliche Anzahl separater Bereiche – Bestandteile dessen, was ich das Patchwork-Multiversum nennen werde – wobei unser beobachtbares Universum, also alles, was wir am riesigen Nachthimmel sehen, nur ein einziges Mitglied ist. Wenn wir diese unendliche Sammlung separater Bereiche untersuchen, stellen wir fest, dass sich Teilchenanordnungen notwendigerweise unendlich oft wiederholen. Die Realität, die in jedem gegebenen Universum herrscht, einschließlich unserem, wird somit in einer unendlichen Anzahl anderer Universen im gesamten Patchwork-Multiversum repliziert.“[1]
Max Tegmark hat gar eine Berechnungsmethode entwickelt, um zu ermitteln, wie weit entfernt theoretisch ein persönlicher Doppelgänger wäre, der in einem identischen Universum sitzt, wie man selbst: Die Entfernung beträgt 10 hoch 10 hoch 29 Meter[2].
- [1] Brian Greene The Hidden Reality: Parallel Universes and the Deep Laws of the Cosmos, 2011, Alfred A. Knopf Verlag
- [2]Max Tegmark, Parallel Universes, Scientific American (Vol. 288, No. 5) Mai 2003