Das Multiversum mit dem anschaulichen Namen Landschafts-Multiversum bezeichnet ein aus der Stringtheorie hervorgehendes Konzept in Kombination mit der kosmischen Inflation, also dem Inflationärn Multiversum. Es behandelt das, was beim inflationären Multiversum innerhalb den beschriebenen „Käselöcher“ passiert. Also jene Räume, in welchen Gestalt und Ausprägung unterschiedlicher möglicher Welten innerhalb des inflationären Raumes variieren.
- Vorgeschlagen von: Raphael Bousso und Joseph Polchinski, 2000, sowie Leonard Susskind, 2003
- Wichtigste Unterstützer: Leonard Susskind, Raphael Bousso, Joseph Polchinski, Steven Weinberg, Stephen Hawking
- Status: unbewiesen
Riesige Anzahl an Landschafts-Universen
Auch beim Anthropischen Landschafts-Multiversum wird die berechnete Anzahl aller möglicher Universen, auf 10 hoch 500 geschätzt – ganz so wie es die multidimensionale Struktur der Branen (Calabi-Yau-Mannigfaltigkeiten) verlangt:
In jeder Bran schwingen die Naturkonstanten anders. Dadurch weist jedes dieser Universen eine eigene Beschaffenheit auf. Der wichtigste Unterschied zum Ekpyrotischen oder Zyklischen Universum ist folgender:
Die Branenwelten liegen im Falle des Anthropischen Landschafts-Multiversum durch den inflationären Raum weit voneinander entfernt. So weit, dass keinerlei Chance auf Interaktion zwischen diesen Welten besteht. Dies bedeutet auch, dass in diesem Landschaftsmultiversum die Branenwelten keine zyklischen Abläufe haben. Sie existieren vielmehr allesamt strikt getrennt voneinander – denn hierbei können diese Universen die nicht aneinander „stoßen“ .
Parallelwelten wie abgeschottete Täler in einer 3-Dimensionalen Landkarte
Man bezeichnet diese Variante als Landschafts-Multiversum, weil man sich hiermit den inflationären Raum als 3-Dimensionale Landkarte vorstellen kann, in der der reine inflationäre Raum eine glatte Ebene darstellt. Jedes Branen-Universum ist gleichbedeutend mit einem Tal in dieser Ebene, und jedes dieser Täler ist anders strukturiert. In diesen Tälern herrschen jeweils andere Bedingungen und aus ihnen gibt es jeweils keinen Ausweg – sie sind voneinander durch den leeren Raum getrennt.
Rezeption Anthropisches Landschafts-Multiversum
Während viele führende Physiker wie etwa Stephen Hawking diese Theorie befürwortet haben, so war sie stets Gegenstand intensiver Diskussionen. Der größte Kritikpunkt war mehr einer philosophischen Konsequenz geschuldet, als der reinen Logik. Udmn wir kennen dieses Argumentation von vielen anderen Multiversum-Theorien:
Das Anthropische Landschafts-Multiversum will zwar die Vorhersage für ein alles umfassendes Multiversum darstellen. Sie ist aber weder beweisbar, noch liefert sie eine befriedigende Erklärung etwa für die Frage, wie es zu einem so seltenen Universum kommen konnte. Eben ein solches, wie jenes, in dem wir uns zu Wesen entwickeln konnten, die sich all diese Fragen überhaupt stellen.
Multiversum-Modell als Kapitulation der Wissenschaft?
Tatsächlich ergibt sich aus dem Landschaftsmultiversum, das unsrige Universum eines von unzähligen weiteren ist. Das bedeutet auch, dass es im Grunde aus der Notwendigkeit der Wahrscheinlichkeit existiert, und nicht aus irgendeinem bestimmten Grund, den wir Menschen herausfinden könnten.
Wir Menschen, die sich dessen bewusst sind, müssen erkennen, dass dahinter kein besonderer Sinn steckt. Mit dieser Schlussfolgerung konnten und können viele Physiker, wie etwa auch der Nobelpreisträger David Gross so gar nichts anfangen. Gross interpretierte diese Theorie als Kapitulation der Wissenschaft gegenüber dem vermeintlich Untergründlichen:
„Was auch immer die Lösung für diese Probleme ist… ich glaube nicht, dass das anthropische Prinzip die Antwort ist. Ich hasse es. […] Es ist eine defätistische [aufgebende] Haltung. Es ist ein Ratschlag der Verzweiflung. Es impliziert, dass wir niemals in der Lage sein werden, diese Parameter zu berechnen… Wir sollten eine solch defätistische Haltung nicht akzeptieren.“ David Gross
Paul Steinhardt wiederum kritisierte die Beliebigkeit, die sich aus dem Landschaftsmultiversum ergab:
„Die schlechte Nachricht ist, dass die [inflationäre] Theorie so flexibel ist, dass sie angepasst werden kann, um jede Beobachtung zu reproduzieren… Eine Theorie, die alles vorhersagt, sagt nichts vorher. […] In einem Multiversum kann alles passieren und alles passiert auch… Das macht die Theorie nicht falsifizierbar und beraubt sie daher ihrer Vorhersagekraft.“
Quellen:
Stephen Hawking & Leonard Mlodinow, The Grand Design (dt. Der große Entwurf), Bantam Books, 2010, 7 („The Apparent Miracle“), 164-165 (in der US-Hardcover-Ausgabe)