Weiße Löcher

Ein vergleichsweise neues Konzept in der Kosmologie sind Weiße Löcher – das Gegenstück zu den deutlich bekannteren schwarzen Löchern. Die Idee stammt einer nüchternen Erkenntnis: Die Wissenschaft erkannte zunächst, dass sich aus der Relativitätstheorie etwas verrücktes wie eine physikalische Singularität, also ein Punkt im Raum mit unendlicher Masse ergab.So eine Singularität wurd bald als schwarzes Loch bezeichnet. Diese wurden inzwischen auch tatsächlich im Kosmos beobachtet. diese Beobachtung gelang allerdings nur indirekt, denn schwarze Löcher emittieren keinerlei Licht. Selbst modernste Teleskope sind natürlich auf Photonenmessungen angewiesen – und die finden sich nur im Umfeld schwarzer Löcher.

Darstellung eines Schwarzen Lochs als Ausgangspunkt für das theoretische Konzept der Weißen Löcher.

Das Gegenstück zu schwarzen Löchern

Die wenigsten haben bis heute von weißen Löchern gehört. Die Gegenstücke dieser alles verschlingenden Singularitäten der Schwarze Löcher. Ein solches Weißes Loch verhält sich genau umgekehrt, wie diese, also wie ein exaktes Negativ eines Schwarzen Lochs.

Wie verhält sich ein Weißes Loch?

Schwarze Löcher verschlingen alle Materie und lassen selbst das Licht aufgrund ihrer enormen Anziehungskraft nicht entfliehen. Weiße Löcher wiederum sind ebenfalls Singularitäten. Aber aus diesen quillt die Materie nur so heraus.

Weiße Löcher sind zwar weniger bekannt als Schwarze Löcher, aber sie tauchten prinzipiell zur selben Zeit wie diese erstmals am menschlichen Bewusstseinshorizont auf: Sie sind eine logischen Konsequenz jener Gleichungen, mit denen Karl Schwarzschild 1916 Schwarze Löcher erstmals mathematisch beweisen konnte. Zunächst hielt man diese allerdings für mathematische Kuriositäten, die im physikalischen Universum keine Entsprechung haben. Diese Annahme änderte sich in den 1960er Jahren durch Igor Novikov. Novikov stellte die These in den Raum, dass weiße Löcher am anderen Ende von Wurmlöchern liegen.

Im Jahr 2014 erregten weiße Löcher erneut Aufmerksamkeit, als Carlo Rovelli Arbeiten veröffentlichte, die nahelegten, dass sich Schwarze Löcher ganz am Ende ihres Lebens durch Quanteneffkte in weiße Löcher umwandeln könnten.

Weiße Löcher als Bestandteil mehrerer Multiversum-Theorien

Weiße Löcher sind für uns deshalb interessant, weil sie ein wichtiger Bestandteil gleich mehrerer Multiversum-Theorien sind. Ein Beispiel dafür ist die Theorie des fruchtbaren Multiversums von Lee Smolin. Nach dieser Theorie findet im Kosmos ähnliche natürliche Selektion statt, wie wir sie auf der Erde beobachten: Es überleben nur die „fittesten“, Universen und werden zu solchen, welche die anderen in ihrer Existenz überdauern. Weiße Löcher sitzen nach der Theorie des fruchtbaren Multiversums immer dort, wo ein neues Universum „geboren“ wird.

Unser Universum als weißes Loch

Einige Forscher vermuten auch nochmals wesentlich Profunderes: Tatsächlich könnte unser Universum ein weißes Loch sein. Denn es verhält sich im Grunde exakt so, wie weiße Löcher beschrieben werden. Das,w as wir heute als Urknall bezeichnen, würde in diesem Fall jene Singularität darstellen, aus der Materie und Energie hervorgeht.

Auch Popławskis Torsion-Theorie der expandierenden Feder beschreibt im Grunde nichts anderes, als ein weißes Loch, dass entsteht, wenn sich die Kontraktion des Raumes innerhalb eines schwarzen Loches in Expansion umkehrt.

Und auch zu Wurmlöchern gibt es ähnlcihe Überlegungen: Sie könnten im Grunde nichts anderes sein, als „Portale“ von einem Universum in ein anders. Fliegt ein Raumschiff in ein Wurmloch, muss es zunächst durch den Ereignishorizont eines schwarzes Loche hineinfliegen, und wird dann auf der anderen Seite, aus einem weißen Loch, wieder ausgespruckt.