Die in diesem Buch bereits ausführlich behandelte Viele Welten Interpretation nach Hugh Everett resultiert in ein Quantenmultiversum, indem den quantenmechanische Effekt der Dekohärenz interpretiert, wie sie beispielsweise beim Doppelspaltexperiment auftritt. Es handelt sich um die wichtigste moderne Interpretation der Wirklichkeit, die zu einem Multiversum führt.
Vorgeschlagen von: Hugh Everett, 1957
Wichtigste Unterstützer: Bruce DeWitt, John Archibald Wheeler, David Deutsch, Stephen Hawking, Max Tegmark

Everett selbst hatte sich zwar im Rahmen seiner bahnbrechenden Publikation selbst nicht direkt auf multiple Welten eingelassen, die mit jeder Beobachtung eines Quantenexperiments entstehen sollen. Denn nach dieser ist es nicht die Wahrscheinlichkeitswelle, die so wie nach dem Standardmodell, in eine zufällige Realität kollabiert. Vielmehr realisiert sich in der universellen Wahrscheinlichkeitswelle lediglich diese eine Messung.
Dabei entsteht nach Everett jedoch unmittelbar ein neuer Quantenzustand, und das Spiel vollzieht sich von neuem. Es handelt sich um einen relativen Zustand unter allen Möglichen, die allesamt für sich bestehen. Nicht der Zufall ist es also, der die Welle wie im Standardmodell zu einer Realität zusammenfallen lässt (bezeichnet als Dekohärenz), sondern es sind vielmehr alle diese möglichen Optionen, die realisiert sind, und in die sich die Realität aufspaltet.
Rezeption der Viele Welten Interpretation nach Everett
Die Viele Welten Interpretation wurde unmittelbar nach ihrer Veröffentlichung im Jahr 1957 von nahezu allen wichtigen Quantenphysikern stark kritisiert, oft auch überhaupt ignoriert. Selbst sein erster Unterstützer, Everetts Doktorvater John Archibald Wheeler, gestand dieser neuen Interpretation zwar Brillanz zu, war aber zurückhaltend bei seiner Unterstützung, da er etwa seinen Kollegen Nils Bohr, Begründer der Kopenhagener Deutung nicht vor den Kopf stoßen wollte.

Bruce DeWitt schließlich entdeckte Everetts Doktorarbeit gut zwei Jahrzehnte nach Veröffentlichung neu, und brachte damit diese gesamte Debatte rund um das Quantenmultiversum überhaupt erst ins Rollen. Der Rest ist Geschichte: heute erachten viele Quantenphysiker Everetts Vorschlag als besser geeignet, als das Standardmodell, um die Quantenrealität zu erklären.
Selbst Stephen Hawking, der wohl einflussreichste Physiker des 21. Jahrhunderts, kam in einem späten Essay zu dem Schluss, dass die viele Welten Interpretation korrekt sein muss, da außerhalb des Universums kein Beobachter existiert: „Wir können die Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik nicht verwenden, um das Universum als Ganzes zu beschreiben. […] Die Kopenhagener Deutung nimmt an, dass es einen Beobachter außerhalb des Systems gibt, der eine Messung durchführt und den Kollaps der Wellenfunktion verursacht. Aber das Universum beinhaltet alles, was ist, also kann es keinen Beobachter außerhalb des Universums geben. Deswegen müssen wir die sogenannte Viele-Welten-Interpretation nutzen.“
Quellen:
Stephen Hawking, Black Holes and Baby Universes and Other Essays (Bantam Books, 1993). Speziell der Essay „Schrödinger’s Cat“.