Vom Multiversum, dem Recht haben und der absoluten Wahrheit

Wenn es um das Multiversum geht, tritt bei fast allen Texten zum Thema eine bestimmte, typisch menschliche Absicht zu Tage: Die meisten Autoren hegen wohl die Hoffnung, ihre Gedankenwelt zu einer Wahrheit zu machen, die allgemeine Gültigkeit erlangt. Im Multiversum ist jedoch die Coexistenz aller Wahrheiten Realität.

Jetzt könnte man sagen, dass es nur allzu logisch ist, dass es bei Texten dieser Art darum geht, Recht zu behalten. Ich beziehe mich in dieser Hinsicht sowohl auf die Theorien über physikalischen Grundlagen, die ein Multiversum zur Folge haben, als auch auf die philosophischen Folgerungen, die aus ihnen hervorgehen.

Das Multiversum schließt absolute Wahrheit aus

Mir ist es ein außerordentliches Anliegen zu betonen, dass die Urheber dieser Texte dabei wohl vergessen, dass das Multiversum gerade ein solches Recht auf Allgemeingültigkeit grundsätzlich ausschließt – auch wenn ich dabei vielleicht denselben Fehler begehe (man ihn gar nicht nicht begehen. Immerhin ist diese Widersprüchlichkeit in fast allen Angelegenheiten der Existenz anzutreffen. Ja, es ist so, dass etwas richtig und falsch zugleich sein kann, und zumeist gilt das für alle Dinge). Ich habe in meiner allgemeinen iInteraktionstheorie bereits argumentiert, dass es nichts Absolutes geben kann. Dass es keine Objektivität geben kann. Denn jede existierende Entität definiert sich durch das Verhältnis von Immanenz und Transzendenz. Und dies bedeutet, dass das innere Selbstverständnis, das was der Mensch als Bewusstsein erfährt, nicht alles sein kann, weil er ja selbst beobachtet, dass er nicht alles ist, sondern eben er selbst.

Alles existiert im Multiversum

Wenn wir uns nun darauf einigen, dass wir in einem Multiversum existieren, dann bedeutet dies, dass wir so gut wie jede Einschränkung aufgeben müssen. Es besteht auch nicht der geringste Anlass, irgendeine Wahrheit oder Wirklichkeit auszuschließen. Wenn wir beispielsweise die Übersicht der Multiversum-Theorien betrachten, so finden wir inzwischen mehr als zehn Varianten, die zu einer solchen Annahme, dass wir in einem Multiversum existieren, führen. Deren Beschreibungen und Bedingungen sind sehr unterschiedlich.

Was bei aller Varianz allerdings getan werden muss ist folgendes: Man muss im Gunde alle diese Varianten in ein solches Multiversum-Weltbild mit einschließen. Eine Multiversum-Theorie, die eine andere ausschließt, entbehrt jeder Logik. Denn in einem Multiversum existiert jede mögliche Wahrheit. Jede Interpretation, die eine beliebige Entität als wirklich anerkennt, ist somit auch wahr und manifest – denn sie ist dann in Wechselwirkung mit zumindest eben dieser Entität, was ihre Existenz nach der Interaktionstheorie begründet. Natürlich kann sie in einer anderen als falsch angesehen werden. Das ist jedoch kein gültiges Argument um ihre Existenz zu negieren.

Notwendige Widersprüchlichkeit

Wenn ich nun also konsequent bin, so muss ich auch anerkennen, dass ich mit diesem Text auch unrecht habe. Widersprüchlichkeit ist eine ganz logische Folge dieser Gedankenexperimente.

Nehmen wir beispielsweise Max Tegmark, dessen Buch das Mathematische Universum auf eine dieser Multiversum-Theorien hinausläuft. Tegmark folgert, dass unser Universum eine mathematische Struktur ist. Soweit so gut.

Da ein Multiversum jedoch unendlich viele Varianten an Universen beinhaltet, muss es auch solche beinhalten, die eben nicht mathematisch sind, oder in welchen zumindest die Mathematik keine existentielle Rolle spielt. Stellen Sie sich ganz einfach ein Kleinkind vor der Schule vor: Es hat kein mathematisches Denken, da es noch nichts über zählen, Zahlen und rechnen weiß. Erst in der Schule wird ihm dies später beigebracht. Keiner wird sagen, dass dieses Vorschul-Keinkind keine subjektive Realität erlebt. Und eben diese Gedankenwelt entspricht einem erlebten Universum, welches auch in Tegmarks Multiversum existieren muss. Ich betone dabei, dass es völlig unerheblich ist, ob es sich um materielle oder immaterielle Existenz handelt.

Das Bedürfnis, Wahrheit durchzusetzen

Ich vermute, dass diesem Drang beim Menschen, subjektive Wahrheit durchzusetzen, der natürliche Instinkt zugrunde liegt, die eigene Existenz zu stärken. Eine nachvollziehbare Strategie in einer Welt begrenzter Ressourcen, um die subjektive Wirklichkeit zu optimieren. Jedoch muss klar sein, dass diese Strategie nicht die einzige sein muss, die Erfolg bringt, und dies sehr wahrscheinlich auch nicht ist. Denn Veränderung liegt in der Natur des Daseins im Zeit-Kontinuum.

Thomas Heindl, Februar 2017, Bali

Ein Gedanke zu „Vom Multiversum, dem Recht haben und der absoluten Wahrheit

  1. Karl-Heinz Rehm

    Vorausgesetzt, die Multiversen-Theorie wäre ohne mathematische Grundlegung nicht existierbar, so folgt daraus, daß ein Kleinkind ohne mathematisches Wissen dem Determinismus zufolge seine Existenz aufgrund der Funktionsmächtigkeit der angewendeten Mathematik instinktiv ausrichtet, sodass es den vorgeschriebenen Regelabläufen Folge leisten muss. Wer von Mathematik nichts versteht, bleibt trotzdem ihrer rätselhaften Macht verhaftet.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.