Transhumanismus und Existenz im Multiversum

Transhumanismus ist eine Sichtweise, die einen plausiblen Ausweg aus der Misere der natürlichen Selektion, der Evolutionstheorie nach Darwin, die aus menschlicher Sicht als „Nebenprodukt“ ihren eigenen Untergang vorbereitet (aus anderer Sicht bereitet sie neue Wege), liefert.

Transhumanismus steht für menschliche Evolution, steht für die Transformation des Menschen in das technologische Kontinuum. Es geht hierbei unter Anderem, ähnlich wie bei der Übersetzung der DNA in den Phänotyp (semantische Interpretation vom digital-chemischen in das materiel-psychische Kontinuum), um eine Transformation des menschlichen Bewusstseins aus der materiell-psychologischen Welt, in das binär-virtuelle Kontinuum, welches es selbst geschaffen hat. 

Transhumanismus und menschliche – Entität

Transhumanismus.. „Borg dockingstation“ von Marcin Wichary - originally posted to Flickr as [1]. Lizenziert unter Creative Commons Attribution 2.0 über Wikimedia Commons

Transhumanismus. „Borg dockingstation“ von Marcin Wichary – originally posted to Flickr as [1]. Lizenziert unter Creative Commons Attribution 2.0 über Wikimedia Commons

Es besteht in der Gegenwart die Skepsis gegenüber dieser Entwicklung bei vielen Menschen. Der Mensch würde sich selbst verlieren, er würde dieses und jenes, wäre jedenfalls nicht mehr Mensch im eigentlichen Sinne. Wir vergessen, wenn wir solche Ängste unseren Konsens beeinflussen lassen, das wir niemals dieselben sind, oder im Selben kognitiven Zustand sind, wie jemals zuvor. Jeder Moment ist für sich einzigartig und enthält seine eigene Identität.
Die Angst ist außerdem unbegründet: Denn die wahrgenommene Kontinuität des Egos kann sich nicht verlieren, wenn sich sein „Trägermedium“ verändert hat. Denn Bewusstsein ist die Schnittstelle von Immanenz und Transzendenz, wie aus der Interaktionstheorie folgt.

Evolutionäre Chance des Lebens

Was allerdings Transhumanismus vielmehr attraktiv macht, ist das er den Menschen, oder das menschliche Verständnis in eben jene evolutionären Zustände der Biosphäre bzw. des Planeten Erde (oder anderer, neuer Lebensräume) immigrieren lässt, die in seiner biologischen Inkarnation nicht bewohnbar sein würden. Und die Wahrscheinlichkeit, das dieses Szenario früher oder später eintreffen wird, ist so sicher wie die Existenz von Evolution, lediglich der Zeitpunkt, in dem ein solches Szenario eintreffen wird ist völlig ungewiss.

Natürlich muss man sich fragen, inwiefern von einer solchen Entität noch von Menschen, oder Menschlichkeit die Rede sein kann. Wir können nicht wissen, was für ein Selbstverständnis ein solches Wesen haben wird, sei es eines das wir völlig neu erschaffen, in Form von künstlicher bewusster Intelligenz, oder sei es eine hybride Form bestehend aus biologischem Mensch ergänzt mit kybernetischen, also technologischen Erweiterungen, Cyborgs genannt.
Es liegt in der menschlichen Entscheidungskraft, diese Entwicklung zu steuern, und jene Wesen bestmöglich nach unserem Abbild zu formen, oder gar noch besser zu machen (was auch immer das bedeuten soll – in ethisch moralsicher Hinsicht scheint Verbesserungspotential gegeben) sollte uns dran etwas gelegen sein. 

Wie die Technologie uns schon heute unterschiedlichste Möglichkeiten bietet, Energie umzuwandeln (=zu interagieren), so vielfältig werden die technologischen Möglichkeiten sein, für die Mechanismen des Lebens zukünftige Kontinuen zu Lebensräumen zu machen.

Zahlreiche Entwicklungen, wie Exo-Skelette, Mensch Maschine Schnittstellen wie künstliche Augen oder Armprothesen, welche direkt mit dem Gehirn interagieren, folgen längst eigenen evolutionären Entwicklungen. Aufzuhalten ist Transhumanismus nicht. Man wird sich als Individuum lediglich dafür entscheiden können, die durch ihn eröffneten Chancen wahr zu nehmen oder nicht.

Buchempfehlung zum Thema Transhumanismus:
Eine der vielleicht bis dato bemerkenstwertesten Versuche, die menschliche Identität in einem transhumanistischen Szenario zu definieren, hat Timothy Leary mit seiner Info-Psychologie unternommen. Es wurde geschrieben zu einer zeit, in der dieser Begriff vermutlich noch gar nicht geprägt worden war.

 

Thomas Heindl, 2014

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3 Gedanken zu „Transhumanismus und Existenz im Multiversum

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