Facebook hat manipuliert – Alles manipuliert!

Facebook Manipulation

Facebook hat manipuliert, ach wirklich?

Facebook hat manipuliert… Die Verwunderung ist/war also groß: Facebook hat manipuliert! Dass die Berichte, die dieser Tage durch die Medien gehen, die Menschen tatsächlich nachhaltig erschüttern, ist es allerdings ebenso.

 

Denn man vergisst so gerne, dass Manipulation, wenn man es denn so nennen will, die Essenz der Existenz an sich ist.

Facebook hat manipuliert?

Wir alle manipulieren, und alles manipuliert uns, jederzeit und ständig. Auf welche Art auch immer wir leben, also unsere Existenz zu erhalten oder verbessern/verschlechtern trachten, wie auch immer – fest steht, dies kann nur durch Manipulation unseres Umfeldes von Statten gehen. Haben sie jemals eine Bettdecke derart verschoben (= manipuliert), dass ihre Zehen nicht der kühlen Luft des Schlafzimmers ausgesetzt sind?
Generell können sie das Wort „Interaktion“ durch „Manipulation“ ersetzen, nicht nur wenn Sie diesen Blog lesen sondern generell. Letztlich ist dieses Wort eine vielleicht negativ behaftete Variante der Interaktion, oder dessen, was ich versucht bin zu vermitteln.

Selbstverständlich wird Sie die Bettdecke deswegen nicht verklagen, aber gehen Sie bitte davon aus, dass also jedes Mal, wenn sie etwas vermitteln wollen, sie manipulativ mit ihrer transzendenten Identität interagieren. Interaktion ist grundsätzlich manipulativ.
Es ist so einfach, ja.
Hauptsache man ist entrüstet weil: Facebook hat manipuliert.

Empörung zeugt von versuchter „Gegen-Manipulation“

Natürlich, könnten Sie nun bemerken, dass Facebook hier etwas völlig inakzeptables gemacht haben könnte. Falls nicht, könnten Sie wie ich vermuten, dass hier amerikanische Nutzer versuchen das US-Rechtsystem derart auszureizen, um eine Sammelklage einrichten zu können – dass sie also manipulativ zu ihren eigenen Gunsten agieren. Tatsächlich aber übersehen die Meisten hierbei (vermutlich ganz bewusst), dass Facebook, wie jedes virtuelle Soziale Netzwerk, eine Simulation der „wirklichen“ sozialen Konstellationen sein kann und will, es wird also versucht ein möglichst realitätsnahes interaktives Gefüge zu simulieren, welches die Kommunikation zwischen vernetzten Individuen ermöglicht.

Dabei natürlich muss es notgedrungen manipulativ werden, da es eine möglichst hohe Interaktionsfrequenz erreichen muss (was im übrigen für jede Entität gilt, egal ob im virtuellen oder materiellen Multiversum), um dem Unternehmen, sprich den Menschen, die hinter diesem Netzwerk stehen, möglichst hohe Einnahmen zu verschaffen, welche bekanntlich Mehrheitlich durch Werbeeinnahmen generiert werden (mehr Interaktion = höhere Einnahmen).

Insofern müsste hier generell der Basis Algorythmus ausreichen, um von einem manipulativen Wirken Facebooks zu sprechen. Es wird immer etwas versprochen (ihr Nutzen als User), aber es gibt immer auch einen zweiten Sinn. Der Sinn der Entität „Facebook“, entspricht selbstredend nicht allein jenem Versprechen an die (Id)Entität „du, verehrter Leser, der Facebook nützt“, sondern er liegt im Sinne der Aktionäre des Unternehmens Facebook.

Ein Statement des Unternehmens Facebook selbst:

“When someone signs up for Facebook, we’ve always asked permission to use their information to provide and enhance the services we offer,” Jodi Seth, a Facebook spokeswoman, said on Thursday. “To suggest we conducted any corporate research without permission is complete fiction. Companies that want to improve their services use the information their customers provide, whether their privacy policy uses the word ‘research’ or not.” – Zitat NY Times.

Tipp: Wenn Sie nicht manipuliert werden wollen, also frei von jeder Manipulation leben bzw. existieren möchten, so graben Sie sich am besten jetzt sofort im Boden ein – und selbst das wird Ihnen wohl nicht helfen.

Systematische Massenmedien-Manipulation: Wer empört sich hierbei?

Im Grunde ist dieser „Skandal“, der wahrscheinlich durch die AGB völlig legitimiert war, eine Analogie zur allgemeinen Medienmanipulation, deren Konsument und Zielobjekt wir tagein tagaus sind. Hierbei handelt es sich allerdings um keine Forschungsexperimente, die zeigen sollen, ob etwas funktioniert, sondern im allgemeinen um Mittel zur Durchsetzung der konkreten Auftraggeber-Interessen – also den Missbrauch derselben Mechanismen, ebenso im Unwissen des armen Zielobjektes. Darüber beschwert sich allerdings kaum jemand, und das ist das eigentlich Befremdliche.
Das Forschungsergebnis, dass nämlich die Beeinflussung der Stimmung durch Gruppendynamik auf virtueller Ebene bestätigt wurde, sollte den Usern, ob betroffen oder nicht, im Gunde wertvoll genug sein, um sich nicht allzu sehr darüber aufzuregen – ist es doch harmlos im Vergleich zu dem was ihnen die Massenmedien Tag für Tag servieren. Aber eben das ist ja nicht ohne Weiteres beweisbar, also einklagbar…

Nachtrag 3.7.14:

Angesichts der gigantischen Nutzerzahl bei der Studie weckte das Experiment Sorgen über die Möglichkeiten von Facebook, ihr Stimmung und das Denken zu beeinflussen.“ Artikel aus derstandard.at vom 3.7.14

Hier haben wir genau den Punkt getroffen: Liebe Herren Forscher, Facebook beeinflusst allein durch seine Nutzung (eigentlich allein durch seine Existenz) Stimmung und das Denken der Nutzer, egal ob es Experimente gab, gibt, oder nicht!

Nachtrag 4.7.14

In dieser Meldung über den sogenannten Facebook hat manipuliert – Skandal wird die Angelegenheit nun eine ethische Komponente. Es soll sich nun also im Grunde um einen klassichen A/B-Test handeln. – Klar, nur wenn man die eigene Website optimieren möchte, hat das eine eigene Brisanz, wenn die Seite soziale Wirklichkeiten verzerrt darstellt. – Ist natürlich ein Punkt.
Nur: Was für einen Unterschied gibt es hierbei zu Kinofilmen, die mittlerweile auf Basis von Nutzergewohnheiten und Big Data Auswertungen gescriptet werden? Ist es weil die „echte Welt“, sprich die Beeinflussung durch Stimmungen, die also einen „realen Hintergrund haben“, schlimmer sind, oder uns mehr schaden, als fiktive Beeinflussung? Das ist doch ziemlich absurd. Das bedeutet eigentlich, dass direkte Manipulation, die durch die Übertragung „fiktiver Stimmungen“ bewirkt wird, harmlos ist im Gegensatz zu indirekter Manipulation, die durch „reale Stimmungen“ bewirkt wird. Kann man da einverstanden sein?

Ich bin es jedenfalls nicht. Schlimm wäre es jedenfalls erst, wenn diese Möglichkeiten missbraucht werden, um Massen gezielt emotional zu steuern. Diese Gefahr ist natürlich gegeben, und dies macht Facebook natürlich potentiell gefährlich. hierfür müssen jedenfalls unbedingt Verhinderungs-Mechanismen geschaffen werden. Die Umsetzung allerdings wird schwierig.

Thomas Heindl, 2.7.14

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.